Die Bedienung eines Autos Drucken E-Mail
– von Affordances und Natural Mappings.

Autos gehören zu den kompliziertesten technischen Geräten im Leben vieler Menschen und dennoch sind sie in der Regel leicht zu bedienen. In der Regel...

Wieso? Zum einen verbringen Personen sehr viel Zeit damit, das System zu erlernen: es wird mehrfach wiederholt und geübt. Zum anderen sind Autos sehr sorgfältig gestaltet. Bedienelemente sind so gestaltet, dass deren Betätigung immer zu den gleichen Auswirkungen führt - sie sind also gut vorhersagbar. Bedienelemente liefern konsistente Rückmeldung, so dass Systemzustände sichtbar und unter-scheidbar sind (z. B. eine Kontrollleuchte, ob die Handbremse angezogen ist oder nicht). Nur zu häufig sind allerdings Abweichungen von diesem Idealfall auch in modernen Autos zu beobachten. Ein Beispiel soll im folgenden diskutiert werden.

Abbildung 1: Teil der Bedienelemente eines Pontiac Grand Prix, Jahrgang 1993. Die Entwicklung der Schnittstelle dieses Wagens ist nun zwar deutlich über zehn Jahre alt und selbstverständlich hat sich seither im Automobilbau einiges getan. An diesem Wagen lassen sich jedoch einige Konzepte (problematischer) Interface-Gestaltung verdeutlichen, die auch in aktuellen Jahrgängen anzutreffen sind.

Donald A. Norman (Professor für Kognitive Psychologie und Mensch-Maschine-Spezialist der ersten Stunde) nennt im Zusammenhang mit der Gestaltung von Bedienelementen die Konzepte Affordances und Mappings.

Affordances sind wahrgenommene Eigenschaften eines Gerätes, die einen Eindruck von der Bedienung vermitteln.

Abbildung 2:
Die Kippschalter zur Betätigung der Scheinwerfer: oben Abblendlichter, Mitte Standlichter und unten Nebelleuchten hinten.




So legen die Kippschalter in der obigen Abbildung beispielsweise nahe, dass sie gekippt werden können. Diese Eigenschaft ist bereits vor der Betätigung sichtbar. Mappings sind Abbildungen, in denen eine Beziehung zwischen Bedienhandlungen hergestellt wird. Ein einfaches Autobeispiel dafür ist das Lenkrad. Um nach rechts zu steuern, drehe ich das Lenkrad im Uhrzeigersinn.

Natural mappings machen Gebrauch von Analogien und kulturellen Standards und sind unmittelbar einsichtig.

So bilden die in der Seitentüre angebrachten vier Schalter für die Fensterheber (vgl. Abbildung 1: der oberste, einzelne Knopf ist für die Türverriegelung) die natürliche Anordnung der zu betätigenden Scheiben ab: der Knopf oben links für die Scheibe vorne links, der Knopf oben rechts für die Scheibe vorne rechts usw.

Klassisches Beispiel des von Don Norman eingeführten Begriffs des Natural Mappings ist die Bedienung von Herdplatten: Im guten Beispiel rechts würde "alleine schon die Organisation der Bedienelemente die nötige Information zur Bedienung" liefern (nach Norman, D.A (1988). The psychology of everyday things. New York: Basic Books).











Zurück zum Auto: Die abgebildeten Schalter (Abbildung 3, unten) werfen mehrere Probleme auf. Von besonderem Interesse ist hier vor allem der unterste, mit dem man die hinteren Nebelleuchten betätigt. Ist der Schalter gekippt, kann man das visuell sehr schlecht ausmachen, der Systemzustand ist also schlecht sichtbar.

Abbildung 3:
Die winzigkleine LED zur Statusanzeige der hinteren Nebelleuchten.






Die einzige Statusanzeige für eingeschaltete Nebelleuchten ist eine winzigkleine Leuchtdiode (LED = light emitting diod), siehe Pfeil, die man auch eingeschaltet kaum erkennen kann.

Die hinteren Nebelleuchten sind Leuchten, die man erfahrungsgemäss eher selten braucht. Der Schalter ist aber an einem der exponiertesten Orte angebracht, die man sich vorstellen kann (vgl. Abbildung 4). Es passiert problemlos, dass man ihn beim Ein- oder Aussteigen versehentlich betätigt.

Abbildung 4:
Der Nebelleuchten-Schalter für eine Funktion, die man sehr selten braucht, ist ausgesprochen ungünstig platziert.





Fazit: Das Bedienelement für eine selten gebrauchte Funktion ist ungünstig platziert, die Erkennbarkeit des Status kaum sichtbar, und eine Fehlbetätigung hat unangenehme Folgen (die hinteren Nebelleuchten sind eingeschaltet, ohne dass Nebel vorherrscht, was für ein hinterherfahrendes Auto bekanntlich unangenehm sein kann).

Dieses Interface verletzt also verschiedene Entwurfsprinzipien ergonomischer Schnittstellen (wie z. B. Erkennbarkeit des Systemzustandes, Erkennbarkeit einer Rückkopplung, besondere Beachtung der wichtigsten Bedienhandlungen). Gut zu bewerten ist hingegen der Einsatz von Affordances: Schalter, die einen Eindruck von deren Bedienung vermitteln.


 
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